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Gleichgewicht - die unterschätzte Superkraft

In meiner aktuellen NeuroYoga-Ausbildung durfte ich in den letzten Wochen tief in die Welt des Brain Based Movement eintauchen – Bewegung, die auf neurologischen Prinzipien basiert. Statt einfach «nur» zu trainieren, schauen wir uns an, wie unser Nervensystem funktioniert und wie wir es gezielt nutzen können, um besser, sicherer und effizienter zu bewegen.


Egal ob du Volleyball spielst, Yoga praktizierst oder läufst: Dein Gleichgewichtssinn ist die unsichtbare Grundlage für jede dieser Bewegungen. Ohne ein gut funktionierendes Gleichgewichtssystem würden wir beim Blocksprung am Netz umkippen, in der Baumpose wackeln oder beim Trail-Run stolpern.


Die drei Säulen unserer Bewegungssteuerung 🎯

Unser Gehirn verlässt sich auf drei Hauptquellen, um uns sicher durch den Raum zu navigieren:


1. Die Augen – unser wichtigstes Orientierungssystem

Unsere visuelle Wahrnehmung liefert dem Gehirn konstant Informationen über unsere Position im Raum. Wir orientieren uns an Horizontlinien, an Objekten und an Bewegungen um uns herum.


2. Die Ohren – das Gleichgewichtsorgan im Innenohr

Hier sitzt das sogenannte Vestibularsystem, das jede Kopfbewegung und Lageveränderung registriert und an unser Gehirn meldet.


3. Die Eigenwahrnehmung (Propriozeption)

Das ist unser Gespür dafür, wo sich unser Körper im Raum befindet – ohne hinzuschauen. Sensoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken melden ständig ihre Position ans Gehirn.

Diese drei Systeme arbeiten ständig zusammen. Und wenn eine Quelle schwächelt, müssen die anderen kompensieren. Genau deshalb lohnt es sich, alle drei gezielt zu trainieren!


Heute möchte ich dir die zweite Säule – unser Gleichgewichtsorgan im Ohr – genauer vorstellen. Denn hier liegt oft ungenutztes Potenzial, das dich im Alltag und beim Sport enorm weiterbringen kann.


Die 13-Minuten-Regel: So viel Gleichgewichtstraining brauchst du täglich ⏱️

Wissenschaftliche Studien zeigen: Ein gesunder Mensch sollte mindestens 13 Minuten pro Tag an seinem Gleichgewicht arbeiten, um es zu erhalten und zu verbessern. Bei Vorerkrankungen, nach Verletzungen oder im höheren Alter braucht es sogar noch mehr Zeit.

Das klingt erst mal nach viel – aber die gute Nachricht: Diese 13 Minuten müssen nicht am Stück sein, und es braucht dafür keine spezielle Ausrüstung! Du kannst sie easy in deinen Alltag integrieren.


Warum ist regelmässiges Gleichgewichtstraining so wichtig?

  • Verletzungsprävention: Ein trainiertes Gleichgewichtssystem reagiert schneller auf unerwartete Situationen

  • Bessere sportliche Leistung: Mehr Stabilität bedeutet mehr Kraft und Präzision in der Bewegung

  • Sturzprophylaxe: Besonders wichtig für die langfristige Gesundheit

  • Mehr Selbstsicherheit: Ein gutes Gleichgewicht gibt uns ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle


Was passiert im Innenohr? Das Vestibularsystem erklärt 👂

Im Innenohr sitzen pro Seite fünf winzige Organe, die zusammen das Vestibularsystem bilden:

  • Drei Bogengänge (für Drehbewegungen in allen drei Raumebenen)

  • Zwei Makulaorgane (für lineare Beschleunigung und die Wahrnehmung von oben/unten)

Unser Gleichgewichtsorgan
Unser Gleichgewichtsorgan

Diese Organe melden uns ständig, wo oben und unten ist. Sie registrieren jede Kopfbewegung und jede Lageveränderung – und das in Millisekunden. Unser Gehirn nutzt diese Informationen, um uns vor unseren grössten Ängsten zu schützen: Umfallen und laute Geräusche.

Wenn dieses System gut trainiert ist, fühlen wir uns sicher, stabil und können uns entspannt bewegen – egal ob beim Angriff am Netz, in der Krieger-Position oder beim Trail-Run bergab.




Balance üben – aber richtig! Die besten Gleichgewichtsübungen 🔄

Viele denken bei Gleichgewichtstraining an «7 Minuten auf dem linken Bein, 7 Minuten auf dem rechten». Das ist nicht falsch, aber es geht noch viel effektiver!

Der Schlüssel liegt in der Kopfbewegung, denn diese stimuliert direkt das Vestibularsystem im Innenohr.


Die vier Grundbewegungen für dein Gleichgewichtsorgan:

  1. Nicken (Flexion/Extension): Kopf vor und zurück bewegen, als würdest du «Ja» sagen

  2. Kopfschütteln (Rotation): Kopf horizontal nach links und rechts drehen, als würdest du «Nein» sagen

  3. Neigen (Lateralflexion): Linkes Ohr zur linken Schulter, rechtes Ohr zur rechten Schulter

  4. Diagonale Bewegungen: Mit der Nase eine Linie von links oben nach rechts unten ziehen und umgekehrt, sowie von rechts oben nach links unten


Wichtig beim Gleichgewichtstraining:

  • Beginne langsam und nutze unbedingt die Unterstützung einer Wand, sollte es noch sehr wackelig sein

  • Führe die Bewegungen kontrolliert aus

  • Kombiniere die Kopfbewegungen mit verschiedenen Standpositionen (beidbeinig, einbeinig, auf instabilem Untergrund)

  • Übe regelmässig – Konsistenz ist wichtiger als Intensität


Deine Mini-Übung für den Alltag: Gleichgewicht trainieren beim Gehen 🚶‍♀️✨

So integrierst du Gleichgewichtstraining mühelos in deinen Tag:

Die Gang-Balance-Übung:

  1. Wenn du das nächste Mal den Gang entlang zur Toilette gehst oder vom Büro zur Kaffeemaschine läufst

  2. 👀 Fixiere mit den Augen einen Punkt geradeaus

  3. 🔄 Bewege dabei deinen Kopf in allen oben genannten Richtungen (nicken, schütteln, neigen, diagonal)

  4. Gehe dabei in normalem Tempo weiter

Tadaa! Schon hast du eine grandiose Übung für deine Balance gemacht.


Weitere Alltagssituationen für Gleichgewichtstraining:

  • Beim Zähneputzen auf einem Bein stehen (mit Kopfbewegungen!)

  • Beim Warten an der Bushaltestelle kleine Balance-Challenges einbauen

  • Beim Telefonieren mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen

  • Beim Kochen zwischen den Arbeitsgängen kurze Balance-Sequenzen


Bonus: Gleichgewichtstraining gegen Reisekrankheit 🚗✈️

Hier kommt ein zusätzlicher Benefit: Diese Übungen können dir auch gegen Reisekrankheit helfen!

Reisekrankheit entsteht oft durch eine Unstimmigkeit zwischen den Informationen, die dein Innenohr, deine Augen und deine Propriozeption ans Gehirn senden. Im Auto liest du ein Buch (Augen melden: keine Bewegung), während dein Vestibularsystem die Kurven und Beschleunigungen registriert (Innenohr meldet: Bewegung). Dieser Konflikt kann Übelkeit auslösen.

Regelmässiges Gleichgewichtstraining hilft deinem Gehirn, diese widersprüchlichen Signale besser zu verarbeiten und zu integrieren.


Gleichgewichtstraining für verschiedene Sportarten

Für Volleyballer*innen:

  • Bessere Landungen nach Sprüngen

  • Schnellere Richtungswechsel

  • Stabilere Angriffs- und Blockbewegungen


Für Yogis:

  • Längeres Halten von Balanceposen (Baum, Adler, Krieger III)

  • Flüssigere Übergänge im Flow

  • Mehr Vertrauen in herausfordernde Asanas


Für Läufer*innen:

  • Bessere Stabilität auf unebenem Terrain

  • Effizientere Lauftechnik

  • Schnellere Reaktion bei unerwartetem Untergrund


Fazit: Gleichgewicht ist trainierbar – und es lohnt sich!

Dein Gleichgewichtssinn ist keine festgelegte Grösse, sondern ein trainierbares System. Mit nur 13 Minuten täglich – aufgeteilt in kleine Alltagsmomente – kannst du:

✅ Deine sportliche Leistung verbessern✅ Verletzungen vorbeugen✅ Dich sicherer und stabiler fühlen✅ Langfristig deine Lebensqualität steigern

Der Schlüssel liegt in der regelmässigen Stimulation deines Vestibularsystems durch gezielte Kopfbewegungen. Und das Beste: Du kannst überall und jederzeit damit anfangen!


Lust auf mehr?

In meiner Dienstagsklasse setzen wir dieses und weitere neuronale Prinzipien ganz bewusst sein. Du wirst spüren, wie viel stabiler und sicherer du dich danach fühlst.

Ich freue mich riesig darauf, diese neuen Erkenntnisse aus meiner NeuroYoga-Ausbildung mit dir zu teilen! 💪🧠


Herzlich,

Fabienne


PS:

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